Awareness Konzept
«Awareness» bedeutet für uns ein bewusster und achtsamer Umgang mit sich selbst, anderen Menschen und der Umgebung.
Der Begriff stammt vom englischen «to be aware» ab, was auf Deutsch «sich bewusst sein» bedeutet. Ziel ist es, an einem Ort Bewusstsein und Sensibilität zu fördern, um das Miteinander angenehmer und sicherer für alle zu gestalten. Dies erfordert auch, dass wir alle unser Verhalten überdenken und reflektieren, was herausfordernd und unangenehm sein kann.
Werte / Verhaltenskodex
Der Chessu ist ein inklusiver Ort des Austauschs und der Geselligkeit, an dem sich alle Besuchenden, Benutzenden, Künstler*innen, Mitarbeitenden, Freiwillige und Sicherheitspersonal sicher fühlen sollen.
Wenn du den Chessu besuchst, bist du auch Benutzer*in des Chessus und in diesem Moment auch Teil des Kollektivs. Du gestaltest die Stimmung automatisch mit. Dein Verhalten kann auf andere Menschen wirken, sei dir deiner Mitverantwortung bewusst.
Wir sind gemeinsam da und alle verantwortlich für eine positive und respektvolle Stimmung.
Wir begegnen uns mit Akzeptanz, gehen sorgfältig miteinander um und verhalten uns gemeinschaftlich.
Jede Person definiert ihre Grenzen anders. Wir respektieren die Grenzen und Bedürfnisse voneinander.
Nur Ja heisst Ja (Konsens). Das gilt für jede Interaktion zwischen Menschen.
Wir konsumieren verantwortungsbewusst und kennen unsere Grenzen.
Wir nutzen den Raum mit Respekt.
Wir überdenken und reflektieren unsere Verhaltensweisen.
Wir sind untereinander achtsam und solidarisch. Wir reagieren, wenn wir unangemessenes Verhalten beobachten.
Im Chessu wird keine Form von Diskriminierung toleriert.
Wenn du dich während einer Veranstaltung unwohl fühlst, Unterstützung brauchst oder eine Situation beobachtest, die dich verunsichert, kannst du dich jederzeit an die Security oder Personal (Kasse, Bar, Garderobe) wenden. Wir handeln deeskalierend und unterstützen dich.
An die Awareness-Mailadresse können Vorfälle auch nachträglich gemeldet werden: awareness@ajz.ch.
Wenn du dich persönlich mit Anliegen, Rückmeldungen oder Fragen an das AJZ-Kollektiv wenden möchtest, kannst du an unsere öffentliche Benutzendenversammlung (BV) kommen.
Unsere Hausregeln sind ein integrierter Bestandteil unseres Awareness-Konzepts. Hier findest du ein paar weiterführende Medien zu Begriffen und Themen unserer Hausregeln und dem Awareness-Konzept.
Der Chessu ist ein Veranstaltungsort und ist weder für psychologische, pädagogische noch strafrechtliche Interventionen zuständig. Je nach Kontext ist es wichtig, professionelle Unterstützung zu suchen. Hier haben wir verschiedene Anlaufstellen aufgeführt.
Hier haben wir verschiedene Diskriminierungsformen aufgeführt:
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Ableismus ist eine Form der Diskriminierung und Benachteiligung gegenüber Menschen mit Behinderung. Ableistische Denk- oder Verhaltensweisen zeigen sich beispielsweise in der Annahme, dass eine Behinderung immer sichtbar ist. Es gibt auch Menschen, die eine nicht sichtbare Behinderung haben. Auch ungefragtes «Helfen» / Übernehmen von Aufgaben für Menschen mit Behinderung ist ableistisch, weil davon ausgegangen wird, dass die Person etwas nicht allein schafft. Das kann entmündigend wirken und die Fähigkeiten der Person in Frage stellen. In der Sprache gibt es beispielsweise Redewendungen wie «Bist du blind?». Diese tragen dazu bei, negative Assoziationen zu verstärken und wirken ausgrenzend gegenüber Menschen mit Behinderung.
Ableismus zeigt sich auch durch unzureichende Barrierefreiheit in Gebäuden und öffentlichen Räumen. Er führt dazu, dass Menschen mit Behinderungen in vielen Lebensbereichen, wie am Arbeitsplatz oder in sozialen Aktivitäten, benachteiligt oder ausgeschlossen werden. Der Chessu ist beispielsweise rollstuhlgängig aber Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sind explizit auf fremde Hilfe angewiesen, da wir keine automatischen Türen haben. Diese Einschränkung führt zu Ausschluss und ist ableistisch.
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Ageismus bezeichnet die Diskriminierung oder Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Alters. Diese Form der Diskriminierung kann sich auf verschiedene Arten zeigen: durch Vorurteile, stereotype Annahmen oder unfaire Behandlung älterer oder jüngerer Menschen. Ageismus zeigt sich beispielsweise, wenn ältere Menschen als weniger leistungsfähig oder weniger flexibel angesehen werden. Oder jüngere Menschen als unerfahren oder unzuverlässig zu betrachten. Auch auf dem Arbeitsmarkt kann Ageismus auftreten, wenn bestimmten Altersgruppen der Zugang zu Jobs oder Karrierechancen verweigert werden.
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Bodyshaming ist eine Form der Diskriminierung gegenüber dem Aussehen von Menschen. Dabei werden Menschen, welche nicht den gesellschaftlichen Schönheitsidealen entsprechen abgewertet.
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Homofeindlichkeit ist, wenn Menschen aufgrund ihrer gleichgeschlechtigen sexuellen Orientierung abgelehnt oder schlecht behandelt werden. Dies kann durch gemeine Kommentare, Vorurteile oder Benachteiligungen geschehen. Homofeindlichkeit kann offen gezeigt werden, zum Beispiel durch beleidigende Worte oder Handlungen. Oder auch auf subtilere Weise, wie durch negative Einstellungen, vermeintlich «witzige» Kommentare und diskriminierende Verhaltensweisen.
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Physische Gewalt bezieht sich auf alle Arten von körperlicher Aggression, einschließlich Schlägereien und ähnlicher Handlungen. Es werden keine Schlägereien und jegliche Form von physischer Gewalt toleriert. Bei Gewaltkonflikten wird durch das Sicherheitspersonal interventiert. Wenn keine friedliche Lösung unter den Beteiligten gefunden wird, müssen die Person(en) den Chessu und auch das Areal verlassen.
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Rassismus ist eine Form der Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Kultur oder Religion. Verhaltensweisen und Äusserungen gelten nicht erst dann als rassistisch, wenn es zu körperlichen Übergriffen kommt. Auch Fragen/Aussagen wie «Woher kommst du wirklich?», «Du sprichst schon gut Deutsch!» oder Menschen (ungefragt) in die Haare zu fassen, sind rassistisch. Rassismus ist tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert, was bedeutet, dass er systematisch ist und sich in alltäglichen Lebensbereichen widerspiegeln kann. Darum ist es wichtig, dass wir uns mit Rassismus auseinandersetzen und aktiv antirassistisch handeln.
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Sexismus bezieht sich auf die Ungleichbehandlung und Vorurteile gegenüber Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Er basiert auf der stereotypen Annahme über Fähigkeiten oder Eigenschaften, die angeblich mit einem Geschlecht verbunden sind. Sexismus bezeichnet ein gesellschaftliches Verhältnis, das in uns verankert ist. Er zeigt sich beispielsweise darin, dass Menschen aufgrund ihres Geschlechts ungleich behandelt werden. Dabei ist wichtig, zwischen „Geschlecht“ und „Gender“ zu unterscheiden.
Die Wurzeln des Sexismus liegen in der Annahme, dass Geschlechter (nach binären Normen) hierarchisch angeordnet sind. Männlichkeit wird dabei als überlegen betrachtet. Geschlechterstereotypen wie „Männer sind stark“ und „Frauen sind harmoniebedürftig“ prägen bereits in der Kindheit unser Denken und Verhalten. Männer stehen in unserer patriarchalen Gesellschaft FINTAs gegenüber in einer Machtposition.
Es ist wichtig sich mit eigenen Privilegien auseinanderzusetzen und sich mit Fragen zu befassen wie beispielsweise: Welche Eigenschaften werden mir zugeschrieben? / Welche Eigenschaften schreibe ich anderen aufgrund äusserlichen Merkmalen zu? / Warum mache ich das?
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Transfeindlichkeit, bezeichnet die Ablehnung, Diskriminierung oder Feindseligkeit gegenüber trans*-Menschen. Trans ist ein Überbegriff für Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurden. Das Gegenteil von Trans ist Cis.
Transfeindlichkeit zeigt sich nicht nur durch körperliche Gewalt, sondern auch durch verbale Äusserungen wie beleidigende Kommentare oder Vorurteile.
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Übergriffe sind Verletzungen von persönlichen Grenzen und können rassistisch, sexistisch, ableistisch, altersdiskriminierend, homofeindlich oder transfeindlich motiviert sein. Diese Übergriffe reichen von Blicken und Worten bis hin zu physischen Handlungen. Entscheidend ist, wie die betroffene Person die Situation wahrnimmt. In solchen Fällen gilt: NUR JA HEISST JA. Konsens ist erforderlich. Der Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen ist erlaubt, solange die Grenzen anderer respektiert werden. Übergriffe dürfen nicht durch solche Umstände entschuldigt werden. Die übergriffige Person muss den Ort verlassen, es sei denn, die betroffene Person wünscht eine andere Lösung.